LaberRhababer – Begegnungscafé

Kiezreporter Julian Krischan führte mit Katrin Brehm von Kreativ in Bildung ein Interview zum Pilotprojekt des „LaberRhababer – Begegnungscafés“ im Zukunftskiez Hellersdorf

Julian Krischan: Katrin Brehm, ihr habt bei Kreativ in Bildung in der Hellersdorfer Promenade 6-8 seit gut zwei Monaten euer LaberRhababer Begegnungscafé geöffnet, eine Pilotmaßnahme beim Zukunftskiez Hellersdorf. Wie läuft es?

Katrin Brehm: Es läuft nach meiner Einschätzung gut an. Grundsätzlich kann man bei einem solchen neuen Angebot nach einer so kurzen Zeit nur eine anfängliche Prognose geben, wie es angenommen wird und wohin es sich weiter entwickeln kann. Momentan haben wir jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr geöffnet und freuen uns über alle, die reinschauen. Wir haben unseren Raum mit Tischen und Stühlen bei gedimmter Beleuchtung angenehm und stimmungsvoll winterlich eingerichtet. Die Tür halten wir meistens etwas angelehnt. So senden wir das klare Signal: Hier ist etwas, ihr seid hier willkommen. Bitte gerne eintreten.

Julian Krischan: Richtet sich das LaberRhababer-Begegnungscafé in erster Linie an Eltern zur Beratung?

Katrin Brehm: Nein, nicht ausschließlich. Derzeit ist es den Eltern und Bewohner*innen des Zukunftskiezes Hellersdorf kaum möglich, sich in einer angenehmen Atmosphäre zu treffen und sich auszutauschen. Das LaberRhababer-Beratungscafé möchte hier ansetzen und einen Treffpunkt für den Zukunftskiez schaffen. Gleichzeitig soll ohne Stigmatisierung und ohne hohe Hürden lebenspraktische Beratung, wie Erziehungsberatung, Sozialberatung und Vermittlung ins bestehende Hilfssystem vorgehalten werden. Bei Bedarf gibt es auch die Möglichkeit sich in einem Beratungssetting zurück zu ziehen, um in ruhiger und entspannter Atmosphäre begleitende Unterstützung zu ermöglichen.

Julian Krischan: Werden bei den Gesprächen Probleme ausgepackt?

Katrin Brehm: Dazu kommt es, wenn Menschen sich hier angenommen und gut aufgehoben fühlen. Unser Pilotprojekt möchte durch eine Befragung der Gäste evaluieren, welche Bedarfe es im Kiez gibt und welche Angebote ggf. noch fehlen. Wir gehen dabei sensibel vor und ermutigen die Gäste im Gespräch eigene Bedarfe zu benennen oder zu beschreiben. Bei Vielen, mit denen wir ins Gespräch kommen, zeigt sich, dass es einen Bedarf an Transfer von Informationen zu möglichen Unterstützungsangeboten gibt. Persönliche Probleme wurden teilweise auch schon angesprochen.

Julian Krischan: Was sind Themen, die angesprochen werden?

Katrin Brehm: Isolation ist ein großes Thema, dass Menschen sich alleine fühlen. Einige sprechen das direkt an, wenn man interessiert und emphatisch im Gespräch ist. Ein weiterer Punkt ist die manchmal doch sehr schwierige Lebenssituation alleinerziehender Elternteile. Hier rutscht man mitunter schnell in eine Lage, dass man sich überlastet und alleingelassen fühlt. Was mache ich zum Beispiel als Alleinerziehende mit zwei Kindern, wenn der Kinderwagen streikt und gerade kein Geld für eine Reparatur da ist?

Julian Krischan: Könnt ihr den Leuten helfen?

Katrin Brehm: Zuerst einmal muss es gelingen, dass LaberRhababer-Begegnungscafé als ein Ort zu etablieren, zu dem die Bewohner*innen des Zukunftskiezes Hellersdorf gerne kommen und Lust zum Austausch haben. Isolation ist ein schwieriges Thema und man muss sehr sensibel damit umgehen. Zuerst mal geht es für die Betroffenen darum, zu erkennen, dass man selbst isoliert ist. Dann gilt es, Schritt für Schritt da herauszukommen. Dabei kann das LaberRhababer-Begegnungscafé helfen. Wir bieten mit unserem Angebot eine nette nachbarschaftliche Caféhausatmosphäre an, bei der wir hoffen, dass wir mit den Nachbarinnen und Nachbarn und sie untereinander ins Gespräch kommen. Das baut zum Einstieg Hürden ab, vor allem, wenn wir im Frühjahr und Sommer das Ganze hoffentlich auch etwas nach draußen verlegen könnten. Eine solche nette und nachbarschaftliche Caféhausatmosphäre, so schätzen wir das ein, braucht Zeit, um von den Bewohner*innen des Zukunftskiezes Hellersdorf angenommen zu werden. Auf mich wirkt vor allem auch der Bereich hier entlang der Hellersdorfer Promenade etwas unbelebt. Das Cafè LaberRhababer kann dazu beitragen, die Hellersdorfer Promenade neu zu beleben.

Julian Krischan: Gibt es Pläne, wie es mit dem Pilotprojekt LaberRhababer-Begegnungscafé weitergehen soll?

Katrin Brehm: Wir hoffen natürlich, dass es weitergeht. Nach einer so kurzen Zeit von nur knapp drei Monaten kann man, wie gesagt, eigentlich nicht viele Schlussfolgerungen zu einem solchen neuen Angebot ziehen. Das muss sich erst mal etablieren und hat Aussicht auf Erfolg, wenn sich das Projekt rumspricht und die Leute davon weitererzählen. Jetzt zu Anfang haben wir uns in unserer Werbung auch ganz niedrigschwellig auf Flyerverteilungen hier im Umkreis in der Hellersdorfer Promenade beschränkt. Die Mitglieder des Zukunftskiezes Hellersdorf haben ebenfalls Werbung für das Projekt gemacht. Das ist natürlich ausbaufähig, über Kanäle von Social Media zum Beispiel. Wir müssen auch mitdenken: Wie sprechen wir diejenigen an, deren Muttersprache nicht Deutsch ist?

Julian Krischan: Du hast einen längeren beruflichen Hintergrund in Hellersdorf. Kannst du da mehr darüber sagen? Zeigen sich aus deiner Sicht Veränderungen?

Katrin Brehm: Ich arbeite tatsächlich lange in Hellersdorf, seit 2008 bei MetrumBerlin gGmbH, im Jahr 2018 haben meine Kollegin Stefanie Christoph und ich Kreativ in Bildung gGmbH gegründet – mit Räumen hier in der Hellersdorfer Promenade. Wir machen Angebote, vor allem mehrteilige Kurse für Eltern und interessante Weiterbildungsangebote für Fachkräfte und Interessierte. Unsere Themenpalette umfasst Inhalte wie Kommunikation, Gesprächsführung, aber auch zum Beispiel Weiterbildungsangebote im Bereich Kinderschutz. Wir nehmen wahr, dass sich die soziale Zusammensetzung durch Zuzug verändert. Ich sehe das durchaus positiv, da sich eine Soziale Vielfalt entwickeln und zur Belebung des Zukunftskiezes Hellersdorf führen kann. Man sieht es zum Beispiel an Themen und Unterhaltungen, die im Sommer bei Nachbarschaftsveranstaltungen wie beim Promenadenbuffet geführt wurden. Für unser Begegnungscafé könnte das spannend werden.

Julian Krischan: Was macht deiner Meinung ein gelungenes Angebot aus?

Katrin Brehm (lacht): Gelungen ist ein Angebot, wenn die Menschen zufrieden rausgehen und gerne wiederkommen.

Julian Krischan: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Projekt „Zukunftskiez Hellersdorf“ ist ein Umsetzungsprojekt im Rahmen des Modellprojekts „Zukunftskieze“, das die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie fördert und in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung GmbH in Modellregionen umsetzt. Der Zukunftskiez Hellersdorf wird von Camino gGmbH koordiniert und begleitet.